Beschreibung
Diese Ausgabe dreht sich um den Stammtisch als nationales Kulturgut: einen wertvollen Ort des Austausches und der Meinungsbildung. Denn als Willensnation war die Schweiz seit jeher darauf ausgerichtet, landauf landab breit abgestützte Kompromisse zu finden, mit denen sich alle arrangieren können. In jüngeren Zeiten hat sich die Zusammensetzung der Stammtisch-Beisitzer indessen deutlich verändert. Denn die Diskussionen finden nicht mehr am runden Tisch statt, an dem alle auf den Feierabend hin zusammenfinden, sondern in Podcasts, Onlineforen oder Veranstaltungen, wo man unter seinesgleichen bleibt. Was nicht in die Bubble passt, muss raus: je nach Anlass Ausländer oder Autofahrer, Fleischfresser oder Gendersternchen. Die ehrliche Auseinandersetzung mit anderen Ansichten bleibt auf der Strecke. Das ist nicht nur schade, sondern kontraproduktiv. Schliesslich haben zahlreiche Studien ergeben, dass diejenigen Lösungen am tragfähigsten sind, welche divergierende Bedürfnisse ernsthaft angehen. Darum singen wir hier ein Loblied auf den Stammtisch, wo neben den Symbolen des Gemeinsamen – Chörbli voller Chips & Biberli, Aromatdösli oder Bierdeckel mit Werbung für lokale Spezialitäten – die Emotionen gopferteckel auch einmal hochgehen können. Denn solange man mit dem Bewusstsein in die Diskussion startet, dass man vielleicht falsch liegen könnte, ist die Chance gross, nach der dritten Runde Bier, Wein und Kombucha gemeinsam die beste Lösung zu finden.
Santé!















