Beschreibung
Eine Reise misst sich nicht nur in Kilo- und Höhenmetern, Etappen oder Verbindungen. Eine gute Reise misst sich vor allem auch an dem, wie sie auf unsere Sinne einwirkt und multisensorische Spuren hinterlässt. Oft ist uns das aber gar nicht so richtig bewusst. Wir geniessen zwar die Aussicht vom Gipfel, das Licht im Cocktailglas und das verspielte Wirtshausschild in einer kleinen Gasse, aber was die anderen Sinne registrieren, wird in einer geheimnisvolleren Ebene des Bewusstseins abgespeichert. Der Gesang der Vögel, das Rattern eines Zuges oder die akustische Lebendigkeit eines Marktes sind lediglich eine leise Tonspur im Hintergrund des Lebens. Und die samtige Feinheit von frischem Wasser, die kühle Kraft einer schmideisernen Türfalle oder die einladende Wärme einer alten Holzbank nehmen wir nur en passant wahr. Und der Duft? Er nistet sich schon in der Seele ein, bevor wir überhaupt registrieren, dass wir riechen. Dabei lösen Düfte ohne weiteres Erinnerungen aus: an Sonne, Stress, Ferien, Krankheit, Freunde, Arbeit oder gute Laune. Das ist nicht immer schön, aber echt. Und es bleibt. Oft länger als jedes Foto. In dieser Ausgabe folgen wir der Nase vom Morgen im blühenden Garten bis zum reinigenden Gewitter am Abend durch einen langen Tag der olfaktorischen Wunder, die das Reisen tiefer, überraschender und echter machen — wenn man ihnen die gebührende Aufmerksamkeit schenkt.
Tief einatmen und dann: gute Reise!


















